Universität Salzburg

Bioarchäologe Jan Kemper-Kiesslich und Rechtshistoriker Daniele Mattiangeli (beide aus Salzburg) arbeiten zusammen am Geheimnis der Tempelritter. Foto: Kolarik hochgeladen von Julia Hettegger

 

Salzburger auf den Spuren der Tempelritter

Salzburger Wissenschaftler gehen seit einem Jahr den Spuren des 9. Großmeisters der Tempelritter nach. Jetzt konnten sie erste Untersuchungen an menschlichen Überresten vornehmen und bislang verloren geglaubte Dokumente sichern.

SALZBURG. Seit dem Sommer 2019 gehen Salzburger Wissenschaftler den Spuren von Arnau de Torroja nach. Er soll der 9. Großmeister der Tempelritter vor ihrer Auflösung im 13. Jahrhundert gewesen sein. Nachdem ein Grab in der Kirche von San Fermo (Verona) entdeckt wurde, nahmen die Wissenschaftler erste Untersuchungen an darin enthaltener menschlicher Überreste vor und sichteten bislang verloren geglaubte Dokumente.

"Es ist Arnaus Grab"

Nun präsentieren der Bioarchäologe Jan Cemper-Kiesslich sowie der Rechtshistoriker Daniele Mattiangeli von der Paris Lodron Universität Salzburg erste Ergebnisse. Diese bestätigen die Annahme, dass es sich tatsächlich um das Grab des Arnau de Torroja handelt und werfen ein neues Licht auf den Orden und sein mögliches Überleben bis heute.

Steinsarkophag lockte internationales Expertenteam nach Verona.

Rückblick: Der derzeitige Magister der Katholischen Templer Italiens (Templari Cattolici d’Italia), Mauro Ferretti, entdeckte einen Steinsarkophag in der Kirche von San Fermo. Die darin enthaltenen Gebeine ließen die Vermutung aufkommen, dass es sich um Arnau de Torroja handeln könnte. Die Inschriften auf dem Sarkophag zusammen mit dem Fundort stellten einen eindeutigen Bezug zum Tempelritterorden des 12. und 13. Jahrhunderts her. Aufgrund dieser Entdeckung fand sich ein internationales Expertenteam zusammen, das sowohl rechtshistorisch-mediävistischen als auch forensischen, archäometrischen und bioarchäologischen Fragen nachgeht um das Geheimnis um den 9. Großmeister der Tempelritter zu lüften.

Über Arnau de Torroja;

Arnau de Torroja war ab 1179 der 9. Großmeister des Templerordens. Der Katalane wurde 1179 zum Großmeister gewählt. Er gilt als Nationalheld Kataloniens und kämpfte in der Reconquista erfolgreich gegen die Mauren für die Könige von Aragonien und Portugal. Arnau war ein geschickter Diplomat, der zwischen den einzelnen politischen Gruppen zu vermitteln wusste.

Diese Untersuchungen wurden durchgeführt:

• Die Wissenschaftler nahmen mehrere Steinproben des prunkvollen Sarges und konnten mit Hilfe einer Neutronenaktivierungsanalyse feststellen, dass der Deckel und der Korpus des Sarges gleichen Ursprungs sind. Um herauszufinden, aus welchem Steinbruch die Proben stammen, werden noch weitere Vergleichsproben durchgeführt.

• Von dem im Sarg befindlichen Skelett wurden Proben aus dem Oberschenkel entnommen. Mittels Radiocarbondatierung konnte ein Zeitfenster zwischen 1166 und 1259 ermittelt werden. Dies stimmt mit dem überlieferten Sterbedatum des Arnau (1184) überein.

• DNA Analysen in zwei unabhängigen Laboren, eine Peptid-Analyse und die morphologisch-anthropologische Begutachtung diagnostizierten eindeutig das männliche Geschlecht des Skelettes.

• Weiters grenzten die Wissenschaftler das Sterbedatum eindeutig zwischen 50 und 70 Jahren ein und stellten fest, dass der Mann Rechtshänder war.

• Weitere Analysen zur Bestimmung der Herkunft und des Lebensraumes sowie zur Ernährung der Person sind geplant.

Befunde sprechen nicht gegen Arnau de Torroja

„Zusammenfassend können wir sagen, dass alle bisher erhobenen Befunde nicht gegen die Annahme sprechen, dass es sich tatsächlich um die Grablege des Arnau de Torroja handelt“, sagt Jan Cemper-Kiesslich von der Gerichtsmedizin der Paris Lodron Universität Salzburg. Entscheidend für den weiteren Verlauf des Projektes werde eine DNA-basierte molekularbiologische Identifizierung des Skelettes sein, so Cemper-Kiesslich. Das bedeutet, dass mehrere Verwandte des Arnau noch untersucht werden müssen, um einen eindeutigen Nachweis der biologischen Verwandtschaft des Skeletts zu bekommen.

Covid-19-Lage abwarten

Die Familie Torroja ist in verschiedenen katalonischen Städten und ehemaligen Templerburgen bestattet. Die Untersuchung ihrer sterblichen Überreste werde erst möglich sein, wenn sich die Lage aufgrund von Covid-19 beruhigt hat. „Dann können wir die Identität des Skeletts aus dem Grab von San Fermo endgültig feststellen“, so Cemper-Kiesslich.

Quelle: www.meinbezirk.at/Salzburg/4. August 2020, 10:59 Uhr

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